5. November 2009

Was macht missionale Gemeinden aus?

Ein tolles Video – wenn jemand die Zeit und das Know-How hat, das mit deutschen Untertiteln zu unterlegen, wäre das sicher eine wertvolle Sache für viele unserer Gemeinden.

http://vimeo.com/7238583

via Kirche21

28. September 2009

Bundestagswahlergebnis: Im Prinzip ist es das Vernünftigste

Die Wahl ist vorbei und Guido zieht um auf die Regierungsbank. FDP – unsozial schreit es sofort aus allen Ecken, die Kirchen warnen vor sozialem Abbau.

Aber irgendwie war doch im Prinzip vernünftigerweise nichts anderes vorstellbar: Die Fortsetzung der großen Koalition wäre Käse gewesen, da herrscht große Einigkeit. Und so was tut einer Demokratie auf Dauer auch nicht gut.

Eine Mehrheit von rot-grün war von Anfang an sehr unwahrscheinlich, zudem kann niemand behaupten, mit rot-grün sei es sozial gerechter zugegangen – im Gegenteil: Die sozialen Ungerechtigkeiten, über die heute alle klagen, sind zum großen Teil in der Schröderpolitik begründet.

Westerwelle hätte bei einer Ampel nicht mitgemacht und die Grünen nicht bei Jamaika. Und eine linke Mehrheit von rot-rot-grün wäre bei der jetzigen Verfassung der Linkspartei inakzeptabel. Zudem versprechen Dreierbündnisse tendenziell mehr interne Abstimmungsprobleme und damit Kompromisse als Zweierbündnisse. Liegt in der Natur der Sache, weil sich drei und nicht nur zwei für die nächste Wahl profilieren müssen.

Egal wie man persönlich zu schwarz-gelb steht: Kombiniert mit den momentanen Verhältnissen im Bundesrat gibt es nach diesem Wahlergebnis nun wirklich geradezu ideale Voraussetzungen, dass sich endlich etwas tut. Selbst wenn die einzelnen Beschlüsse dann vielleicht nicht immer schmecken, habe ich doch Hoffnung, dass wir am Ende alle profitieren: Nicht so viele Kompromisse, konkrete und deutliche Veränderungen, bessere Stimmung, Wirtschaftswachstum, mehr Arbeitsplätze.

Und auch die konkreten Pläne finde ich nicht allzu düster: Von einem einfacheren und dadurch gerechteren Steuersystem würden zum Beispiel in erster Linie nicht die „Großkopferten“, wie der Bayer sagt, sondern die Durchschnittsverdiener profitieren. Weil dann die Höhe des persönlichen Steuersatzes nicht mehr an der Verschlagenheit des Steuerberaters hängt. Reiche können im aktuellen, komplizierten System so vieles absetzen, dass sie prozentual kaum Steuern zahlen. Ich als Normalbürger kann das nicht. Und wenn ich es könnte, wüsste ich es nicht, weil ich mir keinen Steuerberater leisten kann und will. Aus Erfahrung weiß ich: Es lohnt sich nicht.

Aber auch Hartz-IV-Empfänger wären über eine Abschaffung desselben und der Ersetzung durch eine negative Einkommenssteuer sicher mehrheitlich froh. Die sozialen und finanziellen Bedürfnisse weniger im Blick zu haben als es rot-grün mit Hartz-IV hatte, ist ja kaum möglich, oder? Irgendwie komisch, dass sich SPD trotzdem noch irgendwie sozialer anfühlt als Union und FDP.

Also, alles in allem: Es gibt die große Chance, dass jetzt was voran gehen kann mit einer Regierung, deren Partner tendenziell die gleiche Politikrichtung haben und dazu eine Mehrheit in Parlament und Rat. Jetzt brauchen wir nur noch bei allen Beteiligten ein wenig Vernunft, guten Willen und einen Blick auf die Bedürfnisse der Menschen.

25. September 2009

Evangelische Kirche: Mit Begeisterung missionarisch

Am zweiten und auch schon wieder letzten Abend der EKD Zukunftswerkstatt in Kassel stand der Abend ausgezeichneter Ideen. Ganze sieben Preise wurden verliehen, an tolle Projekte, wegweisende Habitilationen und ideenreiche Gottesdienste.

Alles ok und gut, mit viel Liebe gemacht und hervorragend umgesetzt.

Doch plötzlich steht da ein 21-jähriger auf der Bühne, ein Mitglied von e-Motion, der Jugendgemeinde aus Essen, geleitet von Christina Brudereck. Und er hält eine begeisterte Rede darüber, dass wir Kirche nach dem Herzen Jesu werden sollen. Offen und missionarisch, eine Familie und doch einladend, mit praktischer Liebe für die Menschen um uns herum und solche ganz weit weg in der Welt. Eine Kirche, die den Menschen Glauben so vermittelt, dass Leben verändert werden. Äußerlich und innerlich.

Und plötzlich applaudiert die Menge anders. Nicht mehr höflich, sondern begeistert. Nicht mehr laut, sondern tosend. Die ersten stehen auf, bald steht der halbe Saal. Standing Ovations – in diesen Genuß kam nicht einmal der Ratsvorsitzende für seine wirklich brilliante Rede vom Vortag.

Dieser Abend macht klar: Diese Kirche will etwas neues, die Menschen wollen Klartext reden, sie wollen offen und begeistert von Jesus sprechen statt ihren Glauben zu verklausulieren und hinter Kirchenmauern zu verstecken. Keine Privatisierung des Glaubens! Sie wollen inspirierende Gemeinden, in der der heilige Geist auf sichtbare und mächtige wirkt. Und wo sich Menschen verändern und sagen können: hier habe ich zum Glauben gefunden.

Diese Botschaft geht von diesem Abend dieses Land.

Und noch ein Zweiter bestätigte diesen Eindruck: Christian Führer, ehemaliger Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche sagte klare Worte in seiner Dankesrede: Wir müssen wieder
Kirche Jesu Christi werden. Denn nicht Thron und Altar gehören nach Jesus zusammen, sondern Straße und Altar. Lasst uns die Barrieren niedrig machen für alle – für Rollstuhlfahrer und für Atheisten.

Der Kongress in Kassel macht auf schöne Weise deutlich: Nicht nur diese Kirche, auch die Menschen in dieser Kirche wollen wirklich missionarisch werden. Vielleicht bleibt ja der gestrige Appell Bischof Hubers nicht ungehört. Vielleicht stehen uns im wahrsten Sinne bewegende Zeiten bevor.