Sehr schönes Fundstück (idea):
Zu den „architektonischen Katastrophen“ in Deutschland gehören auch Kirchengebäude. Dieser Meinung ist die Berliner Architekturhistorikerin Turit Fröbe, die mit einem im Carlsen Verlag (Hamburg) erschienenen „Abreiß“-Kalender für Aufsehen sorgt.
Die wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität der Künste in Berlin hat 365 Gebäude in Deutschland fotografiert, die sie für „architektonische Bausünden“ hält“ und die aus dem Stadtbild verschwinden sollten. Darunter sind auch sechs namentlich nicht genannte Kirchen in Berlin, Bielefeld, Hamburg, Mainz, Marburg und Rostock. Bei dem Rostocker Beispiel handelt es sich um die im Jahr 1230 erbaute Nikolaikirche, die heute als übergemeindliches kulturelles Zentrum genutzt wird. Auch das Gebäude der Mainzer Stadtmission sollte nach Meinung Fröbes der Abrissbirne zum Opfer fallen. Die Architekturhistorikerin hat die abgebildeten Kirchen an christlichen Feiertagen wie Karfreitag, Ostern, Pfingsten und Weihnachten zum „Abriss“ vorgesehen.
„Bausünden stören nahezu überall und machen aus unseren Städten Einheitsbrei. Und deshalb reißen wir sie jetzt einfach ab!“, schreibt sie doppeldeutig in Vorwort zu ihrem Kalender. Ihre Bildauswahl sei „subjektiv, hundertprozentig vom Zufall bestimmt, hochgradig ungerecht“. Einige ihrer Lieblingsbausünden seien in den letzten fünf Jahren bereits der Abrissbirne zum Opfer gefallen: „Wer weiß, durch welche Scheußlichkeiten sie gerade ersetzt werden?“



